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Blogtour: Tag 1:Entfachte Glut – Buchvorstellung

Blogtour: Entfachte Glut

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Heute startet die Blogtour zum Roman „Entfachte Glut – Der Fluch der Unsterblichen“von Raywen White. Ich darf euch heute das Buch etwas näher bringen. Morgen geht es dann weiter mit den Charakteren, die euch Julia vorstellen wird.

Buchvorstellung:

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Autor: Raywen White
Titel: Entfachte Glut – Der Fluch der Unsterblichen

Erscheinungsdatum: 15. Januar 2016
Seiten:  621 Seiten
Format: Ebook
ASIN: B01AC4ZWR4

Hier zu kaufen: klick

Klapptext:

Tanja Smith fällt es schwer, anderen zu vertrauen. Zu schmerzhaft sind die Narben aus ihrer Vergangenheit. Ihre Wunden verbirgt die junge Frau geschickt hinter der Fassade der fleißigen Studentin. Erst als sie den attraktiven Kane kennenlernt, kommt ihr feuriges Temperament zum Vorschein. Doch auch Kane verbirgt ein dunkles Geheimnis. Eines Morgens wacht Tanja mitten in der Wüste auf. Kane hat sie entführt, um ein altes Versprechen einzulösen. Tanjas Wut kennt keine Grenzen. Dennoch fühlt sie sich auf unerklärliche Weise zu Kane hingezogen. Als sie schließlich von seiner wahren Natur erfährt, muss Tanja sich entscheiden. Ist ihre Liebe stark genug, um alle Grenzen zu überwinden?

 

Es gibt sogar einen Buchtrailer. Ich finde er macht Lust darauf, sofort mit dem Lesen zu beginnen.

Quelle: https://www.youtube.com/watch?v=OO1rOHlXHnY

 

So, nach den reinen Fakten versuche ich euch das Buch noch mal durch eine Leseprobe schmackhaft zu machen:

Leseprobe:

Geburt

Schreie hallten durch die verfallene Burg, als das alte Weib langsam die enge Wendeltreppe zum Turmzimmer hinaufstieg. Ihr angestrengtes Ächzen vermischte sich mit den durchdringenden Klagelauten zu einer unheimlichen Melodie. Nur ein paar wenige Fackeln spendeten ein schwaches Licht, so dass man die verwitterten Steinstufen nur schwer erkennen konnte. Es war dunkel, feucht, und in den Ecken huschten kleine, unheimliche Schatten vorbei.
Kaum blieb das alte Weib keuchend und um Atem ringend stehen, stieß sie der Soldat, der sie die Treppe hoch begleitete, unsanft vorwärts. »Beeil dich, Hexe, sonst werden die nächsten Schreie deine sein.«
Sie lachte nur leise. Ein altes, kratziges Lachen, bei dem der Soldat unsicher zusammenzuckte. »Meinst du, ich lasse mir von jemandem wie dir etwas sagen oder Angst einjagen? Aber wenn du meine Arbeit machen möchtest, dann tu, was du nicht lassen kannst.«
Der Soldat schnaubte und sah sie mit hasserfülltem Blick an. Er stank nach Bier und Urin, wobei das bei dem Unrat in der verdreckten Burg nicht weiter auffiel. Seine schmutzige Hand zum Schlag erhoben wich er zurück, als ihnen jemand auf der engen Treppe entgegeneilte und ein weiterer gellender Schrei die Stille zerriss, welche über der Burg lastete.
»Warum dauert das so lange? Lass das alte Weib in Ruhe und kümmere dich um deine Aufgaben«, herrschte ein Mann den verlotterten Soldaten an, welcher nicht gerade begeistert über diese Rüge war. Noch bevor er ging, raunte er ihr zu: »Ich werde auf dich warten, wenn du die Burg verlässt.« Er schubste das Weib grob vorwärts, sodass es auf den glitschigen Stufen ausrutschte und stürzte.
Der andere Mann war bei dem schwachen Licht nur undeutlich zu sehen, zumal ihn die Schatten halb verbargen. Man konnte erkennen, dass er groß und kräftig gebaut war. Seine Kleidung war die eines gewöhnlichen Kriegers. Dunkles Leder spannte sich über seine kräftige Körpermuskulatur, und ein Schwert hing an seiner linken Seite. Von ihm ging eine Stärke und Arroganz aus, die auf einen höheren Rang schließen ließ.
Er wirkte vollkommen fehl am Platz in dieser von Abschaum bevölkerten Burg.
Behutsam half er der alten Frau aufzustehen und nahm den großen Korb, den sie bei sich trug. An ihren Händen klebte der widerliche Schmutz der Treppe. Kurzerhand säuberte sie sie an ihrer Schürze und ächzte, als sie die Stufen wieder in Angriff nahm.
»Es tut mir leid, dass Ihr so grob behandelt wurdet, es gibt in dieser Burg leider zu viel von diesem Gesinde.« In der Entschuldigung, die er grollend vorbrachte, konnte sie deutlich unterdrückte Wut wahrnehmen. Seine Stimme war tief und voll, wie dazu gemacht, um Befehle über das Schlachtfeld zu brüllen und den Feind einzuschüchtern.
Während sie die steilen und dunklen Stufen zum Turmzimmer weiter hinaufstiegen, stützte er ihren gebrechlichen und schwachen Körper. »Solange es so nette junge Männer wie Euch zum Ausgleich gibt, beschwere ich mich nicht.« Ihr Kichern ähnelte mehr einem Krächzen.
Ein Blitz zuckte über den Himmel und erleuchtete sein markantes Gesicht durch eine der Schießscharten. Er musste Anfang dreißig sein. Tiefschwarzes Haar fiel ihm wild ins Gesicht und verbarg zum Teil seine intelligenten, eisblauen Augen. Sie kicherte abermals, »Und wenn sie auch noch so gut aussehen wie Ihr, mein Junge, bin ich vollkommen zufrieden.« Wieder hallten hohe Schmerzensschreie einer Frau durch das alte Gemäuer. Er zuckte kaum merklich zusammen, und seine Augenbrauen zogen sich unheildrohend zusammen.
Kane war wütend. So wütend, dass er sich nur sehr mühsam zusammenreißen konnte. Wieder durchstieß ein Schrei die unheimliche Stille, die über der Burg lag. Wieder wurde er durch das gequälte Echo an sein Versagen erinnert.
Am oberen Treppenabsatz angekommen, musste er den Korb abstellen. Laut protestierend quietschte das rostige Schloss, als er die schwere Eichentür öffnete. Mit einem kurzen Wink bedeutete er dem alten Weib, ihm in den winzigen Raum zu folgen. Es gab kein wärmendes Feuer, nur eine kleine, heruntergebrannte Kerze spendete ein wenig Licht. Flackernd kämpfte sie gegen das Verlöschen in dem heulenden Sturm, welchen die zwei Fenster ohne Läden, Scheiben oder Ähnliches nicht abwehren konnten.
Man sah das ganze trostlose Tal, als grelle Blitze wieder den Himmel erleuchteten. Die wenigen Möbelstücke im Raum waren schon halb verfallen und wurden wahrscheinlich nur noch von den Holzwürmern zusammengehalten.
Mitten im Raum stand ein Bett, aus dessen Richtung ein schwaches Stöhnen kam, welches immer wieder durch einen schmerzerfüllten Schrei unterbrochen wurde. Vor unterdrückter Wut knirschte Kane mit den Zähnen. Diese Gefühlsregung war ein Ausrutscher in der stoischen Selbstkontrolle, die ihn für gewöhnlich auszeichnete.
Ein weiterer Blitz erleuchtete kurz die schreckliche Szenerie, und die Alte zog hörbar die Luft ein. Eine Frau lag auf einer dreckigen Matratze, halb bedeckt von mottenzerfressenen Laken. Ihr Haar wirkte dunkel, fettig und klebte an ihrer vor Schweiß glänzenden Stirn. Ihre Augen waren glasig, und sie schien kaum mehr bei Bewusstsein zu sein. Trotz des schmerzverzerrten Gesichts konnte man erkennen, dass es eine sehr schöne junge Frau war, die zusammengekrümmt dalag. Sie war so klein und wirkte zierlich und zerbrechlich. Dieser Eindruck wurde noch durch den beachtlichen Bauch verstärkt, in dem ein neues Leben heranwuchs.
Kane schluckte die bittere Galle hinunter. Er war sich nicht sicher, ob die Alte ihr und dem ungeborenen Kind überhaupt noch helfen konnte. Als Krieger hatte er schon oft den Tod gesehen, aber in diesem Fall erschien er ihm so sinnlos. Belastete ihn das Gefühl der Schuld.
»Ich brauche Licht, heißes Wasser, Lappen und am besten eine Feuerstelle. Verhängt außerdem die zugigen Fenster. Und das Ganze so schnell wie möglich.« Die krächzende Stimme der alten Frau kratzte an seinen Nerven, als sie ihre Befehle erteilte. Kane drehte sich zu ihr um, in seinen Augen loderte der Zorn. Er war wütend. Sehr wütend.
Die Alte wich einen Schritt vor ihm zurück, und er konnte deutlich erkennen, dass sie sich vor ihm fürchtete. Er war aber nicht wütend auf sie. An so elementare Sachen wie Wasser, Licht und Feuer für eine schwangere Frau hätte er auch selbst denken können. Steifbeinig ging er zur Tür und brüllte einem Soldaten, der ihnen gefolgt war, die entsprechenden Befehle zu.
Sein Knurren erinnerte an fernes Donnergrollen, und der Himmel hörte sich an, als würde er ihm antworten. Die ungesagte Drohung hing noch in der Luft, als er wieder neben das Bett trat und der Frau liebevoll eine Strähne aus dem Gesicht strich und hinter ihr spitzes Ohr steckte. Er war sich nicht sicher, welchem Feenvolk sie angehörte, aber er hoffte dem der Elfen, denn das erdverbundene Volk galt als eine der stärksten Rassen unter ihnen. Diese Kraft könnte ihr nun das Leben retten. »Die Hebamme ist da, halte noch ein wenig aus.«
Kane merkte im selben Augenblick, in dem er ihr mitfühlend und zärtlich die Worte zuflüsterte, dass er einen Fehler begangen hatte. Mitgefühl galt in dieser Welt als Schwäche. Er schaute das alte Weib an und sah, wie sie die Augen verengte und ihre Angst wachem Interesse und Neugier wich. »Ich hoffe, du kannst ihr noch helfen.« Es klang mehr wie eine Drohung als wie eine Frage. »Ich hoffe es auch«, flüsterte die Alte, während sie ihn mitleidig ansah.
Der junge Mann ging aus der Tür, und sie hörte, wie er den Schlüssel im Schloss drehte. Die Hebamme atmete tief durch. Plötzlich wirkte das Turmzimmer viel größer. Mit seinem einnehmenden Wesen hatte er fast den ganzen Raum ausgefüllt. Sie konnte die Macht und die Kraft, die von ihm ausging, fast greifen. Er könnte sie mit einem einzigen Schlag töten. Vielleicht würde er es sogar tun, sobald er erfuhr, weswegen sie gekommen war.
Sie lief zum Bett und betrachtete die junge Elfe genauer, während sie vorsichtig den schwangeren Leib abtastete. Für eine solch kleine Person wirkte der Bauch viel zu groß. Es würde eine schwierige und schmerzhafte Geburt werden. Die Wehen kamen immer schneller. Die Alte biss fest die Zähne aufeinander, während sie überlegte, wie sie am besten vorgehen konnte, denn sie durfte sich nicht verraten. Aber sie wollte auch nicht das Leben der Mutter gefährden.
Voller Hoffnung, die beiden zu retten, holte sie aus ihrem Korb einige Kräuterbündel und einen bläulich leuchtenden Trank, den sie der Schwangeren mühsam einflößen musste, weil diese kaum noch die Kraft hatte zu schlucken. Er würde sie in einem Dämmerzustand halten, ihre Schmerzen lindern und hoffentlich auch ihre Erinnerungen vernebeln. Nur Unwissen könnte das Leben der Elfe retten, wenn sie die Geburt denn überhaupt überlebte. Sie musste überleben.
Tief atmete sie ein, um innerlich zur Ruhe zu kommen, dann schloss sie ihre Augen und sandte ihre eigene Magie vorsichtig aus.
Als Kane wieder zurückkehrte, stand er einige Sekunden vor der Tür. Er hatte das kurze Aufwallen von Magie gespürt, aber es war nur sehr schwach, jemand anderem wäre der Energiestoß gar nicht aufgefallen. Doch er war schon immer extrem empfänglich für Magie gewesen. Die Tür knarzte, als er sie öffnete. Er merkte, wie die Alte den Atem anhielt, während sich ihr Puls beschleunigte. Doch ihre Augen zeigten keinerlei Angst. Witternd sog er die schale Luft ein, roch jedoch nur kalten Schweiß. Magie war für die Menschen verboten. Er würde sich darum kümmern müssen … später.
Die Elfe im Bett hatte aufgehört zu schreien und schien weniger Schmerzen zu haben. Erleichtert drehte er sich zu einem ausgemergelten Mädchen um, welches kurz nach ihm durch die Tür getreten war. Es trug ein Bündel sauberes Leinen bei sich, von dem er ein Stück nahm. Dann wies er es an, den Rest vor die Fenster zu hängen. Aus einer dunklen Ecke holte er einen kleinen, wackeligen Tisch, auf den er nun eine Schüssel stellte und den Lappen danebenlegte. Dann eilte er dem Dienstboten entgegen, der schnaufend zwei große Eimer voll dampfendem Wasser schleppte.
Die vollen Eimer stellte er beim Tisch ab und goss das heiße Wasser in die Schüssel. Alles war vorbereitet, mehr konnte er nicht tun. Misstrauisch beobachtete er, wie die Alte einige Kräuter aus ihrem Korb holte und damit zum Tisch schlurfte. Sie zerrieb die Kräuter mit Stößel und Mörser und tat sie in das dampfende Wasser. Der angenehme Geruch von Salbei verbreitete sich sanft im ganzen Raum. Sorgsam wusch sie sich ihre Hände und trocknete sie an einem frischen Stück Leinen, welches ihr das Mädchen schüchtern reichte.
»Los verschwindet, damit ich in Ruhe arbeiten kann.« Sie scheuchte die neugierigen Dienstboten aus dem Raum. Kane bewegte sich jedoch keinen Millimeter von der Stelle. Lässig lehnte er an einer Wand, mit verschränkten Armen vor der Brust, sodass er den ganzen Raum überblicken konnte. »Herr, auch Ihr müsst gehen, das ist nichts für Männer, lasst mich meine Arbeit machen.«
Er beobachtete sie einen Moment, bevor er mehr knurrte als sagte: »Es ist kein anderer hier, der Euch helfen könnte.«
Sie schien bedauerlicherweise keinerlei Angst mehr vor ihm zu haben, vielmehr schimpfte sie nun mit ihm, wie eine Mutter es mit ihrem ungehorsamen Kind tun würde. »Ich brauche keine Hilfe. Ihr seid wütend. Wut hat bei einer Geburt nichts zu suchen. Außerdem habe ich keine Lust, mich auch noch um Euch zu kümmern, sobald Ihr ohnmächtig werdet.«
Belustigt zog er die linke Augenbraue in die Höhe. Als ob er in Ohnmacht fallen würde. In seinem Leben hatte er schon mehr Schlachten erlebt als sie Jahre. Allerdings hatte sie mit einer Sache recht. Er war wütend. Sehr wütend. Zähneknirschend stemmte er sich von der Wand ab, ging durch die Tür und zischte: »Schickt nach mir, wenn Ihr etwas braucht. Ich lasse eine Wache vor der Tür.«
Kane stand mit geballten Fäusten noch einen kurzen Moment vor dem Raum und lauschte. Aber er hörte nur, wie die Hebamme erleichtert aufseufzte und dann leise und beruhigend auf die Schwangere einredete. Sein Instinkt sagte ihm, er könne ihr vertrauen. Aber sein Instinkt war der eines wilden Tieres. Einer Bestie, die er tief in seinem Geist eingeschlossen und in Ketten gelegt hatte. Der er nicht vertrauen durfte.
Er lehnte den Kopf an das kühle Eichenholz und dachte nach. Irgendetwas war merkwürdig an dem alten Weib, er konnte allerdings nicht genau benennen, was ihn so störte. Er schüttelte den Kopf, ein Mensch und Magie, dabei würde jeder ein mulmiges Gefühl bekommen.
Mit einem Seufzen stieg er die Stufen der alten Treppe hinab. Er fühlte sich unruhig und angespannt. Seit er vor drei Tagen dieses rattenverseuchte Drecksloch betreten hatte, hatte ihn eine innere Unruhe erfasst, die von Tag zu Tag mehr an seinen Nerven zerrte. Und als er die hochschwangere Elfe in dem Turmzimmer entdeckt hatte, war das Gefühl zu einem drängenden Brennen geworden, welches durchaus schmerzhaft war.
Er hatte gehofft, dass sich dieses Gefühl verlöre, sobald die Hebamme anwesend wäre. Doch es war im Gegenteil sogar noch stärker geworden, aber eventuell war es auch die unkontrollierbare Wut, die unerklärlicherweise immer mehr in ihm wütete. Von Anfang an hatte er die Situation völlig falsch eingeschätzt. Ihm unterlief ein Fehler nach dem anderen, und das machte ihn von Tag zu Tag noch zorniger. Seine Faust donnerte in den grob behauenen Stein der verputzten Mauer. Mörtel und Steinsplitter spritzten in alle Richtungen davon.
Eigentlich sollte er gar nicht hier sein. Nur eine Aneinanderreihung unglücklicher Zufälle hatte ihn hergeführt. Erst die unglückliche Begegnung mit seinem Ziehvater, welche unweigerlich im Streit endete. Dann das schlechte Essen, welches sowohl einem Großteil seiner Männer als auch denen von Xerxes einen Aufenthalt im Lazarett eingebracht hatte.
Als ihn sein Vater um diesen winzigen Gefallen gebeten hatte, hatte er schlecht Nein sagen können. Nicht nachdem ihn schon sein schlechtes Gewissen geplagt hatte wegen des vorangegangenen Streites, auch wenn er zu diesem Zeitpunkt schon nicht einmal mehr wusste, worum es ursprünglich gegangen war. Sie stritten sich immer über unwichtige Dinge. Obwohl Kane alles tat, um besser dazustehen in den Augen des Mannes, dem er sein Leben verdankte. Der ihn als Sohn aufgenommen hatte, obwohl er wusste, welche Bestie in ihm lauerte.
Ein riesiges Loch klaffte in der Mauer. Zornig ballte er seine Hände zu Fäusten. Seine Wut rang mit seiner eisernen Disziplin, welche er in all den Jahren perfektioniert hatte und die nun erste Risse zeigte. Er spürte, wie die Fänge und Klauen der Bestie herauswollten, wie sein Zahnfleisch und seine Fingerspitzen juckten und brannten. Er atmete tief ein und aus. Einmal. Zweimal. Dann hatte er sich wieder im Griff.
Er würde die Kontrolle nicht verlieren. Nie wieder. Er hatte gelernt, das Monster in sich zu unterdrücken und einzusperren, bis kaum noch ein Flüstern von ihm zu hören war. Warum sich ausgerechnet jetzt die Bestie wieder in ihm regte, verstand er nicht. Es ergab keinen Sinn.
Erst als er wieder vollkommen ruhig war, lief er die restlichen Stufen hinab und betrat die große Halle, die wie die restliche Burg total heruntergekommen war. Den Holzmöbeln sah man die häufige Benutzung an, und er entdeckte hier und dort Waffenspuren an dem verrottenden Holz. Die Binsen waren auf seinen Befehl hin erst gestern gewechselt worden. Trotzdem hatte es bisher nicht geholfen, den stechenden Geruch, der über der Halle lag, loszuwerden. Es war auch kein Wunder, da sich sowohl Tier als auch Mensch weiterhin in den Ecken erleichterten und das Essen achtlos auf den Boden geworfen wurde.
Er verstand nicht, wie die Menschen so leben konnten, wusste, dass sie zu sehr viel mehr imstande waren. Er hasste diese rückständige Welt, sehnte sich nach seinem sauberen und modernen Heim. Seit drei Tagen versuchte er nun schon Ordnung in dieses Chaos zu bringen. Aber die Bediensteten waren faul und zu verängstigt.
Dass eine Schwangere, die kurz vor der Niederkunft stand, im Turmzimmer festgehalten wurde ohne nötige Versorgung, das schien keinen zu interessieren. Diese Ungeheuerlichkeit hatte er erst erfahren, als bei ihr die Wehen eingesetzt hatten und ihre Schreie durch die ganze Burg hallten, wie von einem alten Schlossgespenst. Wie zum Teufel sollte er allein mit diesem ganzen Schlamassel fertig werden? Er wollte weder seinem Vater noch sich selbst gegenüber sein Versagen eingestehen müssen. Denn er hatte noch nie versagt.
Gedankenverloren stand er nun schon eine Weile in der breiten Tür zur Halle und starrte ausdruckslos vor sich hin, während sein eiskalter Blick das Treiben in dem großen Saal beobachte. Einer der grobschlächtigen Soldaten belästigte eine Magd, die hilflos versuchte seinem Griff zu entkommen. Kane knurrte, ein tiefer und unheimlicher Laut, der durch den ganzen Saal drang. Nach und nach verstummten die Unterhaltungen und das Burgvolk schaute ihn an. Die wenigen, die in der Nähe einer Tür standen, flüchteten.
Stunden später war das Gewitter der vergangenen Nacht weitergezogen, und die Nachmittagssonne spiegelte sich bereits in den Pfützen, die der Sturm hinterlassen hatte. Kane fand die alte Hebamme schlafend an die Wand gelehnt vor, während er erleichtert die gleichmäßigen Atemzüge des Feenwesens im Bett bemerkte. Ihr Haar war gewaschen worden und lag fächerförmig um sie herum. Überraschenderweise war es von einem hellen Blond, fast weiß. Ihre strengen Gesichtszüge und der elegante Knochenbau verrieten, dass sie eine Elfe war, und er war mehr als froh, dass sie lebte.
Sanft versuchte er die Alte zu wecken, aber sie reagierte nicht sofort, also schüttelte er sie kräftig an den Schultern. »Wo ist das Kind?«
Sie blinzelte und schien im ersten Moment nicht ganz zu wissen, wo sie war. »Das Kind? Tot.«
Sie zuckte mit den Schultern, als hätte sie es schon vergessen. Doch seine eigenen Schuldgefühle legten sich wie ein schwerer Mantel um seine Schultern. »Was wäre es geworden?«
»Wen interessiert dies. Die Missgeburt war nur ein verfluchter Mischling.« Sie sprach das Wort mit so viel Ekel aus, während sie sich mühsam vom Boden erhob und sich das grobgeschneiderte Kleid ausklopfte.
»Ein Mischling, seid Ihr Euch sicher?«
»Ja, das Ding war missgestaltet und wäre wahrscheinlich bald gestorben, also hab ich meine ganze Kraft darauf konzentriert, die Mutter noch zu retten.«
Überrascht zog er eine Augenbraue hoch und schaute zu dem alten Bett. Eine weitere Frage, die er den vielen unbeantworteten Fragen hinzufügen konnte. Dieses Kind hätte niemals gezeugt werden dürfen. Wenn es ein Mischling war, durfte es nicht existieren, nicht nach ihren Gesetzen. Er mochte kaum glauben, dass die Elfe sich mit einem anderen Wesen zusammengetan hatte. Kinder von zwei unterschiedlichen magischen Wesen würden nur schwach, krank oder sogar missgestaltet zur Welt kommen.
Kein Volk wollte schwach werden. Nicht in einer Welt, in der nur die Stärksten überlebten. Schon seit Langem existierte das Gesetz, existierte ein mächtiger Schutzzauber, um sie alle davor zu bewahren, sich weiterhin untereinander zu vermischen und so ihrer aller Untergang herbeizuführen. »Woher wisst Ihr, was sie ist?«
»Meint Ihr, ich hätte die spitzen Ohren der Albe nicht gesehen.« Sie benutzte ein altertümliches Wort für die Elfe, was ihn daran erinnerte, dass er sich in einer altertümlichen Welt befand.
»Wo ist die Leiche? Wir werden es trotzdem begraben.« Er sah wie sie vor Schrecken die Augen aufriss und ihre kleinen Knopfaugen von einem Punkt zum anderen im Raum huschten. »Nein, es muss verbrannt werden.« Sie schluckte, wirkte nervös, stotterte vor sich hin. Dann zeigte sie auf einen der Eimer, in dem nur noch eine blutige Masse war. Man erkannte nicht einmal mehr, dass diese Reste einmal ein Lebewesen gewesen waren.
Tief atmete er ein, auch wenn es ein Mischling war, er bedauerte das verschwendete Leben. Eigentlich hätte er nicht so empfinden dürfen, doch er fühlte Trauer bei dem Gedanken, dass das Wesen, das ihn vorgestern noch durch die Bauchdecke der Mutter getreten hatte, nun tot war.
Er schaute der Alten ins müde Gesicht: »Ich verspreche Euch, dass ich den Leichnam verbrennen werde.«
Sie schüttelte nur den Kopf. »Nein ich muss dabei sein!« Die alte Frau sah vollkommen ausgelaugt aus, fast als würde sie jeden Moment umkippen. Aber er sah in ihren Augen, dass für sie diese Sache wichtig war. Wichtiger als der wohlverdiente Schlaf. Mitleid regte sich in ihm. Er verdankte ihr, dass zumindest die Mutter überlebt hatte, die Schuldgefühle nicht ganz so schwer wogen. Ihm war es eigentlich egal, ob das Kind oder was auch immer von ihm übrig war, direkt verbrannt wurde oder erst später.
»Dann kommt.« Er ergriff den Eimer in der Ecke und wollte auch ihren Korb, der bereits an der Tür stand, nehmen. Doch sie schnappte sich den Korb so schnell, dass er kurz verwundert stutzte. Ihre anmutigen und schnellen Bewegungen straften ihr Alter und ihre Müdigkeit Lügen. Kane folgte ihr nachdenklich die abgewetzten Treppen hinunter. Sie keuchte und schien Schmerzen zu haben und machte zwischendrin immer wieder Pausen. Er musste sich getäuscht haben.
Im Burghof ging er mit den Eimer geradewegs auf die Schmiede zu, in deren Feuerstelle das heißeste Feuer in der ganzen Burg brannte. Er warf den Eimer in die heiße Glut, sodass Funken stoben, und betrachtete traurig, wie die Flammen sich durch das Holz fraßen und danach den Inhalt verzerrten. Es roch stark nach Kräutern und verbranntem Fleisch. Hungrig knurrte sein Magen, und er würgte, als er daran dachte, was da gerade brannte.

Entfachte Glut S. 8-17

 

Über die Autorin: Raywen White

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Raywen White lebt gemeinsam mit ihrem Mann im Raum Frankfurt am Main. Schon als Kind wurde ihr nachgesagt, sie habe eine lebhafte Fantasie. Diese hat sie sich glücklicherweise bis heute bewahrt. Denn erst in den letzten Jahren entdeckte die Diplominformatikerin ihre Leidenschaft fürs Schreiben. Ganz besonders haben es ihr dabei die Genres Fantasy und Romance angetan, die sie in ihrem ersten Roman gekonnt miteinander verbindet.

 

Foto von: http://forever.ullstein.de/autor/raywen-white/

 

Blogtourfahrplan:

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Tag 1: HIER!!!
Tag 2: http://worldofbooks4.blogspot.de/2016/05/blogtour-entfachte-glut-der-fluch-der_26.html
Tag 3: http://babsleben.blogspot.de/
Tag 4:http://bookwormdreamers.blogspot.de/
Tag 5: http://charleenstraumbibliothek.blogspot.de/
Tag 6: Gewinnspielauslosung auf allen Blogs

Gewinnspiel:

Gewinne:

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  1. Preis – 3 x 1 E-Book im Wunschformat
  2. Preis – 1 Goodiepaket von Raywen White

 

Teilnahmebedingungen für das Gewinnspiel:

Die Teilnahme an dem Gewinnspiel ist ab einem Alter von 18 Jahren möglich. Falls Du unter 18 Jahre alt sein solltest, ist eine Teilnahme nur mit Erlaubnis des Erziehungs-/Sorgeberichtigten möglich.
Der Versand der Gewinne erfolgt nur innerhalb Deutschland, Österreich und Schweiz, wobei der Rechtsweg hier ausgeschlossen ist. Für den Postversand wird keinerlei Haftung übernommen.
Eine Barauszahlung der Gewinne ist leider nicht möglich.
Als Teilnehmer erklärt man sich einverstanden, dass die Adresse an die Autorin/ an den Autor oder an den Verlag im Gewinnfall übersendet werden darf und man als Gewinner öffentlich genannt werden darf.
Jede teilnahmeberechtigte Person darf einmal pro Tag an dem Gewinnspiel teilnehmen. Mehrfachbewerbungen durch verschiedene Vornamen, Nachnamen, Emailadressen oder einem Pseudonym sind unzulässig und werden bei der Auslosung ausgeschlossen.
Das Gewinnspiel wird von CP – Ideenwelt organisiert.
Das Gewinnspiel wird von Facebook nicht unterstützt und steht in keiner Verbindung zu Facebook.
Das Gewinnspiel endet am 29.5.2016 um 23:59 Uhr.

Gewinnspielfrage: Was wärt ihr bereit für die Liebe zu riskieren?

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18 Kommentare zu “Blogtour: Tag 1:Entfachte Glut – Buchvorstellung

  1. Morgen. Also ich bin gerne dabei und versuche mein Glück für das Goodiepaket!!!!
    ich würde sicher einiges versuchen aber nix riskieren und erst recht nicht mich für jemanden in den Tot stürzen oder mich selber niedermachen. Denn aus sowas habe ich gelernt und es lohnt sich nicht für jemand anderes Kaputt zu machen.
    LG Jenny
    jspatchouly@gmail.com

  2. Huhu,

    ich persönlich bin für meine große Liebe in ein anders Bundesland gezogen…habe meine Familie, Freunde, Wohnung und Arbeit verlassen/aufgegeben.

    Somit habe ich schon eine Menge riskiert, trotz einiger Anfangsschwierigkeiten habe ich diesen Schritt noch nie bereut…und das sagt doch alles!!!

    LG..Karin…

  3. Hallo,

    ich würde für die Liebe schon einiges riskieren solange andere Menschen dadurch nicht zu Schaden kommen oder ich was illegales tun würde.

    LG
    SaBine

  4. Hallo,
    wenn ich jemanden wirklich sehr liebe, würde ich alles riskieren was notwendig ist. 😉
    Liebe Grüße
    Jeannine M.

  5. Hallo,

    ich würde für die Liebe einiges aufgeben, allerdings nicht alles. Ich würde nie jemanden wehtun oder mich in illegales hineinziehen lassen.

    GLG Christine

  6. Hallo,
    vielen Dank für den tollen Start in die Blogtour. 🙂
    Für die Liebe würde ich schon einiges riskieren, solange es mir und/oder anderen Menschen nicht schadet.
    Liebe Grüße
    Isabell

  7. Ich freue mich das ihr so zahlreich geantwortet habt. :D. Ich mache nicht am Gewinnspiel mit, aber ich habe auch schon damals einen radikalen Neuanfang für meine Liebe gewagt (es war zwar kein anderes Bundesland, aber doch ein ganzes Eck weiter weg). Und ich habe es nie bereut 😉

    Liebe Grüße
    Raywen

  8. Huhu,
    Ich würde für meine Liebe auch alkes riskieren, aber es sollte nicht über die Stränge gehen. Also über Tod oder etwas illegales wie z.B. Drogen.
    man kann alles versuchen. Der nicht wagt, der kann auch nicht gewinnen.
    Lg Stefanie

  9. Hallo,
    ich würde für die liebe schon recht viel riskieren. Allerdings darf dabei niemand ernsthaft zu schaden kommen und ich muss mir schon recht sicher sein, dass es sich auch lohnt.
    LG Jessy

  10. Halli Hallo,
    was ich für die Liebe riskieren würde?
    Es kommt darauf an, wie Risikobereit auch der Andere ist.
    Hab schon die eine und andere Erfahrung diesbezüglich gesammelt und es im Nachhinein bereut, weil der Preis für das, das es doch nicht funktioniert einfach einseitig …für mich.. zu viel war. Zuviel von mir aufgegeben, nur damit es für den ANDERN funktioniert und ich blieb auf der Strecke… das würde ich nicht mehr machen.. mich aufgeben, mich verbiegen, damit ich „scheinbar in das Leben des Andern passe“, denn da gibt man sich selbst, einen Teil seiner Persönlichkeit auf. und das ist Sch…lecht.. sehr schlecht sogar…

  11. Hallo,

    für mich steht meine Familie an 1. Stelle. D.h. für die Liebe würde ich fast alles riskieren.

    LG Tina

  12. Hallo,

    ich würde sehr viel dafür riskieren, da ich der Meinung bin, dass Familie und die Liebe das Wichtigste im Leben ist 😉

    LG

  13. Hallo
    Danke für Deinen tollen Beitrag.
    Ich würde für meine Liebe bzw meine Liebsten so ziemlich alles riskieren!!!! Für mich gibt es nichts wichtigeres als meine Liebsten….
    Um diese zu schützen würde ich bis zum letzten Atemzug kämpfen……
    Liebste Grüsse Mimi

  14. Pingback: Liebster Award Nominierung – bücherschmöker

  15. Pingback: Mein Monatsrückblick Mai | Anduria Recca

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